Was ist TaiChi Chuan?
TaiChi, genannt auch TaiChiChuan, ist eine Bewegungskunst, die sich im 17. Jh. aus den damaligen Kampfkünsten entwickelt hat. Der ursprüngliche Chen-Stil enthält noch immer viele sichtbare Elemente der chinesischen Kampfkunst. Im Laufe der Entwicklung des TaiChiChuan wurden neue Formen und auch Stile kreiert, die sich vom ursprünglichen Chen-Stil im Ausdruck und den Bewegungen unterscheiden.
Weltweit zählt man heute vier Hauptschulen des TaiChiChuan.
- Der Chen-Stil
vom damaligen Gründer Chen Wanting (1597 – 1664) - Der Yang-Stil
vom damaligen Gründer Yang Luchan (1799 – 1872) - Der Wu-Stil
vom damaligen Gründer Wu Yuxiang (1812 – 1880) - Der Sun-Stil
vom damaligen Gründer Sun Lutang (1861 – 1932)
Die grundlegenden TaiChiChuan-Prinzipien findet man in allen vier Hauptstilen. Ein wesentliches Grundprinzip ist es, die Kräfte von Yin und Yang im Körper zu mobilisieren. Durch eine optimale Körperstruktur können sich Yin und Yang im Körper vereinen, wodurch äussere und innere Energien zusammentreffen. Diese Energien durchdringen die Formen des TaiChiChuan und werden als weiche und fliessende Bewegungen wahrgenommen, die beim Betrachten sehr anmutig wirken. Die Wurzeln des TaiChiChuan liegen in der daoistischen Philosophie und inneren Alchimie. Ein daoistisches Gleichnis besagt, dass das Weiche das Harte überwindet und besiegt, so wie Wasser einen Stein über Jahrtausende hinweg aushöhlen kann. Dies gilt im TaiChiChuan als wichtiges Grundprinzip.
Chi - die Lebensenergie
Chi wird mit den Begriffen Atem, Luft oder Lebensenergie übersetzt. Das Chi bildet die Antriebskraft für sämtliche Wandlungsprozesse in der Natur. Entstehen - Vergehen, Geburt -Tod, Wachstum - Zerfall, all diese Zyklen werden von der Kraft des Chi durchdrungen. Chi bildet die unsichtbare Energie, aus der sich alle Erscheinungsformen im Universum manifestieren. Chi schafft Leben. Chi ist Leben. Im Wort TaiChiChuan finden wir ebenfalls den Bergriff Chi. Wir nutzen diese Lebensenergie im TaiChiChuan, um sie durch Atmung und fliessende Bewegungen nutzbar zu machen. Wir reichern unseren Körper und unseren Geist mit Chi an. Dies erzeugt Kraft in uns, fördert unsere Gesundheit und lässt uns gut mit unserer eigenen Mitte verbunden sein.
Yin und Yang im TaiChiChuan
Der Körper ist im TaiChiChuan mit den Kräften von Himmel (Yang) und Erde (Yin) verbunden. Unsere Füsse sollten fest mit der Erde verwurzelt sein, um durch eine stabile Struktur das Gewicht des Körpers tragen können. Die Kraft des Yin, das mit der Erde verbunden ist, hat die Tendenz zu sinken; die Kraft des Yang, das mit dem Himmel verbunden ist, hat die Tendenz zu steigen. Damit wir von unserem Gewicht und der Schwerkraft der Erde nicht zu Boden gedrückt werden, braucht es als Ausgleich die Kraft des Yang, die uns aufrichtet, damit wir die Körperstruktur bewahren können. Im TaiChiChuan arbeiten wir mit der Vorstellung, dass unser Kopf am Scheitelpunkt leicht nach oben gezogen wird. Dadurch richtet sich die Wirbelsäule auf und wir entlasten die Gelenke der unteren Extremitäten. Wenn wir uns jedoch zu stark im Yang-Pol aufhalten, so verlieren wir unseren Kontakt zur Erde und die Energie „Qi“ steigt im Körper, und wir heben ab. Im TaiChiChuan suchen wir durch die Bewegungen ein Gleichgewicht zwischen Himmel (Yang) und Erde (Yin) zu erlangen.
Der Aspekt der Entspannung im TaiChiChuan
Wir versuchen in den Grundübungen und den nachfolgenden Formen des TaiChiChuan, unseren Körper und Geist so entspannt wie möglich zu halten. Entspannung im Körper heisst, sich zuerst den verspannten Regionen bewusst zu werden, um durch die Körperübungen des TaiChiChuan allmählich mehr und mehr loslassen zu können. Wir lösen durch die Bewegungen im TaiChiChuan Energieblockaden im Körper, die oft Unwohlsein und Schmerzen verursachen.
Die Atmung
Wenn wir in der Grundhaltung stehen bleiben und in unseren Körper hineinhorchen, so nehmen wir auf der einen Seite den Körper, die Gedanken und Emotionen wahr. Auf der anderen Seite gibt es die Ebene der Atmung, die uns dauernd mit der Innen- und Aussenwelt verbindet. Oft spüren wir die Bewegung des Ein- und Ausatmens im Bereich der Brust, wo unsere Lungen liegen. Wir atmen ein, und ab einem gewissen Punkt können wir nicht weiter einatmen, und so atmen wir natürlich wieder aus. Im Beobachten von verspannten Körperregionen können wir vielleicht auch allmählich unser Festhalten loslassen. Wir können das Gewicht unserer angespannten Schultern nach unten sinken lassen. Wir können eine Blockade im Becken wahrnehmen und merken, wie sie sich anfühlt, sich durch das Gewahrsein des Atmens auch verändert und die Spannung allmählich nachlässt. Wir beobachten unsere Atmung. Wir können auch durch das Bewusstwerden des Atems die Anhaftung an unsere Gedanken und Emotionen loslassen. Dadurch entsteht mehr Raum und Weite in uns. Hier dürfen wir das so-sein-wie-wir-sind geniessen. Durch eine optimale Körperstruktur im TaiChiChuan können die Atmung und das Qi im Körper besser sinken. Die Atmung fliesst dann mehr zum Bauch. Hier liegt das untere DanTian, unser Zentrum von dem aus wir uns bewegen. Im DanTian sammelt sich die Kraft, um sich im Körper auszubreiten. Im TaiChi atmen wir natürlich, ohne eine spezielle Technik anzuwenden. Mit dem Üben vertieft sich unsere Atmung und gelangt an Orte, die vorher nicht zugänglich waren. Mit der Atmung nehmen wir kostbare Lebensenergie „Chi“ in uns auf.
Das DanTian als Mitte des Menschen
„Alle Dinge, die vom Universum erzeugt werden, treffen im Zentrum aufeinander und werden von der Erde aufgenommen.“ Gemäss der chinesischen Philosophie sind es die beiden Kräfte - Himmel und Erde -, die für die Errichtung und die Vollendung der Natur mit all ihren Erscheinungen verantwortlich sind. Die Erde ist der Mittelpunkt der menschlichen Welt. Die Erde in uns bildet die Region im Bauch. Geerdet sein heisst, mit beiden Füssen gut am Boden zu stehen, bodenständig zu sein. Das untere DanTian, das in unserem Körper die Mitte bildet, ist ein wichtiges Energiezentrum im menschlichen Körper - vergleichbar mit einem Kraftwerk, das Qi speichert und transformiert. Das DanTian ist wie eine Wasserquelle, die Lebensenergie in den gesamten Organismus transportiert. Wörtlich bedeutet „Dan“ Elixier und „Tian“ heisst Feld; das Elixierfeld, das Qi sammelt und im Körper verteilt.
Das DanTian kann durch energetische Übungen oder Meditationstechniken auf-geladen werden. Im TaiChiChuan sowie im Qigong spielt das untere DanTian eine tragende Rolle. Die Kultivierung der Lebenskraft im unteren DanTian ist die Voraussetzung für einen starken Qi-Fluss im menschlichen Körper. Eine kraftvolle Mitte im unteren DanTian spielt eine tragende Rolle in vielen Kampfkünsten und Meditationsformen.
Lage
Das Tor zum unteren DanTian bildet der Punkt „QiHai“ (Meer des Qi), der ca. vier fingerbreit unter dem Bauchnabel in der Mitte des Körpers liegt. Das eigentliche DanTian liegt im Inneren des Bauchraumes. Man kann es sich als Energieball vorstellen, das sich mit der Bauchatmung ausdehnt und zusammenzieht.
Der Geist und die Gedanken
Wenn wir aufhören uns zu bewegen und versuchen, still zu sein, so nehmen wir einen Strom von Gedanken wahr, der unaufhörlich vor sich hin sprudelt. Wir haben angenehme Gedanken, wir haben unangenehme Gedanken, wir haben neutrale Gedanken. Alles in Allem sind es einfach Gedanken. Oft kommen durch das Denken auch Emotionen ins Spiel und wir sind dann gefangen in einem Mischmasch aus Emotionen und Gedanken. Unser Geist identifiziert sich mit den aus ihm produzierten Gedanken und Emotionen. Was geschieht aber wenn wir die Gedanken einfach beobachten, ohne uns daran festzuklammern, und ohne in die Wertskala von gut, neutral oder schlecht zu verfallen? Die Gedanken sind immer da, doch ist dies kein Problem - sie bilden einen Teil unseres Geistes; es ist wie wenn ein Radio weiter im Hintergrund läuft. Wir lassen das Radio laufen. Zwischen den Gedanken gibt es diesen nicht definierten Raum in uns, der weit offen ist, frei von Konzepten. Durch das Erkennen und wahrnehmen dieses Raumes in uns, können wir besser loslassen. Wir lassen die Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen und tun nichts. Dieser offene Raum in unserem Geist versuchen wir im TaiChiChuan zu integrieren. Wenn wir eine Bewegungssequenz erlernt haben, und nicht dauernd unsere Haltung und Körperstruktur korrigieren müssen, können wir in diese Bewegungen eintauchen, ohne zuviel Kontrolle ausüben zu müssen. Wir lassen die Bewegungen geschehen und sind weniger am machen, weniger am aktiv tun. Früher kannte ich einen Mann, der immer, wenn Gegebenheiten in seinem Leben ohne Anstrengung einfach von sich aus geschahen, denselben Satz brauchte: „Es tut“. So können wir mit der Zeit auch im TaiChiChuan die Erfahrung machen, dass wir die Bewegungen einfach geschehen lassen. Wir lassen los und vertrauen einfach dem Augenblick in dem wir sind. Das ist natürliche Einfachheit, nichts besonderes.
Wirkungen des TaiChiChuan
In Studien hat sich gezeigt, dass sich regelmässiges TaiChiChuan positiv auf viele Symptome auswirkt.
- stärkt das Immunsystem
- regulierende Wirkung auf das Herzkreislauf-System
- kräftigt den Rücken und löst Blockaden
- stärkt die Lebensenergie ”Chi“
- hat eine ausgleichende Wirkung auf die Psyche
- reguliert das Nervensystem
- kräftigt die Beinmuskulatur
- fördert die Beweglichkeit
- fördert die Konzentration
- fördert das allgemeine Wohlbefinden
- fördert die Koordination von Bewegungen
- reguliert Stresssymptome
- reguliert die Atmung