Was ist QiGong?
Qigong im Westen
Qigong stammt aus China und ist ein Sammelbegriff für energetische Körperübungen, die die Lebenskraft Qi im Körper stärken und ausgleichen. Ist genug Qi im Körper vorhanden, und kann es dabei frei durch die Meridiane (Energieleitbahnen) fliessen, so fördert dies die eigene Gesundheit. Sobald es aber einen Mangel an Qi gibt und es sich in den Meridianen anstaut, so entstehen Störungen in Körper und Geist. Qigong erfreut sich im Westen zunehmender Beliebtheit. Aus der Fülle der verschiedenen Qigongformen gibt es solche, die mit äusserer Bewegung und Atemtechniken arbeiten, solche, die innerlich durch Vorstellung ohne Bewegung auskommen und Qigongformen, welche innere und äussere Formen miteinander verbinden. Es gibt Qigongformen, die man leicht erlernen kann und die sich gut in den Alltag integrieren lassen. Damit sich die Wirkung einer Qigongübung optimal entfalten kann, ist regelmässiges Training notwendig. Die meisten bewegten Qigongformen zeichnen sich durch fliessende und langsame Bewegungen aus. Durch eine vertiefte Atmung und einen entspannten Körper kann sich das Qi im Körper ausbreiten und seine positiven Wirkungen entfalten.
Qi - die Lebensenergie
Qi wird mit den Begriffen Atem, Luft oder Lebensenergie übersetzt. Das Qi bildet die Antriebskraft für sämtliche Wandlungsprozesse in der Natur. Entstehen - Vergehen, Geburt - Tod, Wachstum - Zerfall, all diese Zyklen werden von der Kraft des Qi durchdrungen. Qi bildet die unsichtbare Energie, aus der sich alle Erscheinungsformen im Universum manifestieren. Qi schafft Leben. Qi ist Leben.
Im Wort Qigong finden wir ebenfalls den Bergriff Qi. Wir nutzen diese Lebensenergie im Qigong, um sie durch Atmung und fliessende Bewegungen nutzbar zu machen. Wir reichern unseren Körper und unseren Geist mit Qi an. Dies erzeugt Kraft in uns, fördert unsere Gesundheit und lässt uns gut mit unserer eigenen Mitte verbunden sein.
Yin und Yang im Qigong
Der Körper ist im Qigong mit den Kräften von Himmel (Yang) und Erde (Yin) verbunden. Die Kraft des Yin, die mit der Erde verbunden ist, hat die Tendenz zu sinken, die Kraft des Yang, das mit dem Himmel verbunden ist, hat die Tendenz zu steigen. Damit wir von unserem Gewicht und der Schwerkraft der Erde nicht zu Boden gedrückt werden, braucht es als Ausgleich die Kraft des Yang, die uns aufrichtet. Im Qigong arbeiten wir mit der Vorstellung, dass unser Kopf am Scheitelpunkt leicht nach oben gezogen wird. Dadurch richtet sich die Wirbelsäule auf und wir entlasten die Gelenke der unteren Extremitäten. Wir versuchen also durch die Bewegungen oder Visualisierung im Qigong, ein Gleichgewicht von Yin und Yang anzustreben.
Die Atmung im Qigong
Wenn wir in der Grundhaltung stehen bleiben und in unseren Körper hineinhorchen, so nehmen wir auf der einen Seite den Körper, die Gedanken und Emotionen wahr. Auf der anderen Seite gibt es die Ebene der Atmung, die uns dauernd mit der Innen- und Aussenwelt verbindet. Oft spüren wir die Bewegung des Ein- und Ausatmens im Bereich der Brust, wo unsere Lungen liegen. Wir atmen ein, und ab einem gewissen Punkt können wir nicht weiter einatmen, und so atmen wir natürlich wieder aus. Im Beobachten von verspannten Körperregionen können wir vielleicht auch allmählich unser Festhalten loslassen. Wir können das Gewicht unserer angespannten Schultern nach unten sinken lassen. Wir können eine Blockade im Becken wahrnehmen und merken, wie sie sich anfühlt, sich durch das Gewahrsein des Atmens auch verändert und die Spannung allmählich nachlässt. Wir beobachten unsere Atmung. Wir können auch durch das Bewusstwerden des Atems die Anhaftung an unsere Gedanken und Emotionen loslassen. Dadurch entsteht mehr Raum und Weite in uns. Hier dürfen wir das so-sein-wie-wir-sind geniessen. Durch eine optimale Körperstruktur im TaiChiChuan können die Atmung und das Qi im Körper besser sinken. Die Atmung fliesst dann mehr zum Bauch. Hier liegt das untere DanTian, unser Zentrum von dem aus wir uns bewegen. Im DanTian sammelt sich die Kraft, um sich im Körper auszubreiten. Im TaiChi atmen wir natürlich, ohne eine spezielle Technik anzuwenden. Mit dem Üben vertieft sich unsere Atmung und gelangt an Orte, die vorher nicht zugänglich waren. Mit der Atmung nehmen wir kostbare Lebensenergie „Chi“ in uns auf.
Das DanTian als Mitte des Menschen
„Alle Dinge, die vom Universum erzeugt werden, treffen im Zentrum aufeinander und werden von der Erde aufgenommen.“ Gemäss den alten Chinesen sind es die beiden Kräfte Himmel und Erde, die für die Errichtung und die Vollendung der Natur mit all ihren Erscheinungen verantwortlich sind. Die Erde ist der Mittelpunkt der menschlichen Welt.
Das untere DanTian, das in unserem Körper die Mitte bildet, ist ein wichtiges Energiezentrum im menschlichen Körper, vergleichbar mit einem Kraftwerk, das Qi speichert und transformiert. Das DanTian ist wie eine Wasserquelle, die Lebensenergie in den gesamten Organismus transportiert.
Wörtlich bedeutet „Dan“ Elixier und „Tian“ heisst Feld; das Elixierfeld, das Qi sammelt und im Körper verteilt. Eine andere Übersetzung verwendet für DanTian das Wort „Zinnoberfeld“.
Das DanTian kann durch energetische Übungen oder Meditationstechniken auf-geladen werden. Im TaiChiChuan sowie im Qigong bildet das untere DanTian eine tragende Rolle. Die Kultivierung der Lebenskraft im unteren DanTian ist die Voraus-setzung für einen starken Qi-Fluss im menschlichen Körper. Eine kraftvolle Mitte im unteren DanTian bildet die Grundlage vieler Kampfkünste und Meditationsformen.
Lage
Das Tor zum unteren DanTian bildet der Punkt „QiHai“ ( Meer des Qi ), der ca. vier fingerbreit unter dem Bauchnabel in der Mitte des Körpers liegt. Das eigentliche DanTian liegt im Inneren des Bauchraums. Man kann es sich als Energieball vorstellen, das sich mit der Bauchatmung ausdehnt und zusammenzieht.
Der Geist und seine Gedanken
Wenn wir aufhören uns zu bewegen und versuchen, still zu sein, so nehmen wir einen Strom von Gedanken wahr, der unaufhörlich vor sich hin sprudelt. Wir haben angenehme Gedanken, wir haben unangenehme Gedanken, wir haben neutrale Gedanken. Alles in Allem sind es einfach Gedanken. Oft kommen durch das Denken auch Emotionen ins Spiel und wir sind dann gefangen in einem Mischmasch aus Emotionen und Gedanken. Unser Geist identifiziert sich mit den aus ihm produzierten Gedanken und Emotionen. Was geschieht aber wenn wir die Gedanken einfach beobachten, ohne uns daran festzuklammern, und ohne in die Wertskala von gut, neutral oder schlecht zu verfallen? Die Gedanken sind immer da, doch dies ist kein Problem, sie bilden einen Teil unseres Geistes - es ist wie wenn ein Radio weiter im Hintergrund läuft. Wir lassen das Radio laufen. Zwischen den Gedanken gibt es diesen nicht definierten Raum in uns, der weit offen und frei von Konzepten ist. Durch das Erkennen und Wahrnehmen dieses Raumes in uns können wir besser loslassen. Wir lassen die Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen und tun nichts. Dieser offene Raum in unserem Geist versuchen wir im Qigong zu integrieren. Wenn wir eine Bewegungssequenz erlernt haben, und nicht dauernd unsere Haltung und Körperstruktur korrigieren müssen, so können wir in diese Bewegungen eintauchen, ohne ein Übermass an Kontrolle auszuüben. Wir lassen die Bewegungen geschehen und sind weniger am machen, weniger am aktiv tun. Früher kannte ich einen Mann, der immer, wenn Gegebenheiten in seinem Leben ohne Anstrengung einfach von sich aus geschahen, immer denselben Satz brauchte: „Es tut“. So können wir mit der Zeit auch im Qigong die Erfahrung machen, dass wir die Bewegungen einfach geschehen lassen. Wir lassen los und vertrauen einfach dem Augenblick in dem wir sind. Das ist natürliche Einfachheit, nichts besonderes.
Wirkungen Qigong
- stärkt die Lebensenergie „Qi“
- stärkt das Immunsystem
- regulierende Wirkung auf das Herzkreislauf-System
- reguliert das Verdauungssystem
- reguliert das Atemsystem
- reguliert das Nervensystem
- fördert die Beweglichkeit
- fördert die Konzentration
- fördert das allgemeine Wohlbefinden
- hat eine ausgleichende Wirkung auf die Psyche
- fördert die Koordination von Bewegungen
- reguliert Stresssymptome
- fördert die Wundheilung nach Verletzungen